Das Wichtigste auf einen Blick
- Myristoyl Pentapeptide-17 ist ein Signalpeptid aus fünf Aminosäuren, das an einen Myristoyl-Rest gekoppelt ist – dadurch wird es lipidlöslich und kann besser in den Haarfollikel eindringen.
- Im Wimpern- und Augenbrauenfollikel stimuliert es die Keratinozyten und fördert die Bildung von Keratin, dem Hauptbaustoff der Haare.
- Im Gegensatz zu Prostaglandinen wirkt das Peptid hormonfrei und ohne bekannte Nebenwirkungen wie Iris-Verdunkelung oder Lidpigmentierung.
- Erste sichtbare Effekte zeigen sich in der Regel nach vier bis sechs Wochen, deutlich vollere Wimpern nach acht bis zwölf Wochen konsequenter Anwendung.
- In den Lash Seren von Tru Cosmetics wird es mit Biotinoyl Tripeptide-1 und weiteren Wirkstoffen kombiniert, weil sich die Mechanismen sinnvoll ergänzen.
Was ist Myristoyl Pentapeptide-17?
Myristoyl Pentapeptide-17 ist ein synthetisch hergestelltes Peptid, das speziell für die Anwendung an Haarwurzeln entwickelt wurde. Aufgebaut ist es aus einer Sequenz von fünf Aminosäuren (Pentapeptide-17), die mit einer Myristinsäure verbunden ist. Diese Fettsäure verändert das Molekül entscheidend: Sie macht es lipidlöslich und damit besser in der Lage, die Lipidschicht der Haut und des Haarfollikels zu durchdringen.
Dadurch wirkt das Peptid genau dort, wo es wirken soll – in der Haarmatrix, in der die jungen Haarzellen entstehen und Keratin produzieren. In der INCI-Liste taucht es teils auch unter Markennamen wie „Pentapeptide-17“ oder als Bestandteil patentierter Wirkstoffkomplexe auf.
Wie regt das Peptid die Keratin-Produktion an?
Haare bestehen zu mehr als 90 Prozent aus Keratin – einem fasrigen Strukturprotein, das in den Keratinozyten der Haarmatrix gebildet wird. Die Geschwindigkeit, mit der diese Zellen Keratin produzieren, ist einer der entscheidenden Faktoren für die Länge und Dichte der Wimpern.
Myristoyl Pentapeptide-17 wirkt hier als Signalmolekül: Es bindet an spezifische Strukturen der Keratinozyten und aktiviert intrazelluläre Signalkaskaden, die die Expression von Keratin-Genen erhöhen. Vereinfacht gesagt: Das Peptid sagt der Haarwurzel, dass sie mehr und schneller Keratin produzieren soll. In Zellkulturstudien wurde eine messbar gesteigerte Keratin-Synthese nachgewiesen, wenn Wimpernhaut-Modelle mit dem Peptid behandelt wurden.
Unterschied zu Prostaglandinen
Wer im Wimpernserum-Markt unterwegs ist, kennt das wichtigste Vergleichsmuster: Auf der einen Seite die Prostaglandin-Analoga wie Bimatoprost oder Isopropyl Cloprostenate, auf der anderen Seite hormonfreie Peptide. Myristoyl Pentapeptide-17 gehört zur zweiten Gruppe – und das ist mehr als ein Marketing-Detail.
- Prostaglandine binden an FP-Rezeptoren und greifen in die hormonelle Steuerung des Haarzyklus ein. Sie wirken schnell, sind aber für mögliche Nebenwirkungen wie eingesunkene Lider, dunkle Verfärbungen und Iris-Pigmentierung bekannt.
- Myristoyl Pentapeptide-17 wirkt über die direkte Stimulation der Keratin-Produktion, ohne in das Hormonsystem einzugreifen. Die Wirkung baut sich langsamer auf, hat dafür aber ein deutlich besseres Verträglichkeitsprofil.
Mehr zur regulatorischen Diskussion und zu betroffenen Wirkstoffen findest du in unserem Beitrag zum Wimpernserum-Verbot.
Klinische Studien und Evidenz
Die Studienlage zu Myristoyl Pentapeptide-17 ist – wie bei vielen kosmetischen Peptiden – nicht so umfangreich wie bei medizinisch zugelassenen Wirkstoffen. Was es gibt, ist aber konsistent.
Eine häufig zitierte In-vitro-Untersuchung zeigte, dass eine 0,005-prozentige Lösung des Peptids die Keratin-Expression in Wimpern-Zellmodellen um ein Vielfaches steigern konnte. Anwendungsstudien an Probandinnen, die ein Serum mit Myristoyl Pentapeptide-17 über zwölf Wochen morgens und abends auftrugen, berichten typischerweise von einer durchschnittlichen Längenzunahme der Wimpern um etwa 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Ausgangszustand.
Diese Werte sind nicht so spektakulär wie die in den Zulassungsstudien für Bimatoprost-Augentropfen – dafür treten sie ohne medizinische Verschreibung und ohne die typischen Prostaglandin-Nebenwirkungen auf. Wer realistische Erwartungen an Peptid-Seren mitbringt, wird hier in der Regel nicht enttäuscht.
Kombinations-Synergien mit anderen Peptiden
Ein einzelnes Peptid ist selten die ganze Antwort. Genau deshalb arbeiten gute Wimpernseren mit Wirkstoff-Komplexen, in denen sich die Mechanismen ergänzen.
Mit Biotinoyl Tripeptide-1
Biotinoyl Tripeptide-1 verbindet die Stoffwechselwirkung von Biotin mit der direkten Andockfähigkeit eines Peptids an die Haarwurzel. Während Myristoyl Pentapeptide-17 die Keratin-Produktion stimuliert, sorgt Biotinoyl Tripeptide-1 für die Bereitstellung der dafür benötigten Bausteine. Mehr dazu erklären wir im Artikel zu Biotinoyl Tripeptide-1.
Mit GHK-Cu
GHK-Cu verlängert die Wachstumsphase und stärkt die Haarpapille. In Kombination mit Myristoyl Pentapeptide-17, das die Keratinbildung fördert, entsteht ein doppelter Hebel: Die Wachstumsphase ist länger, gleichzeitig produzieren die Zellen in dieser Zeit mehr Keratin. Wie GHK-Cu im Detail wirkt, beschreiben wir in unserem GHK-Cu Beitrag.
Mit pflanzlichen Co-Wirkstoffen
Koffein, Ginseng und Panthenol unterstützen die Durchblutung am Lidrand und können die Aufnahme der Peptide verbessern. Sie ersetzen nicht die Hauptwirkstoffe, sondern bilden den Rahmen, in dem die Peptide ihre Aufgaben übernehmen.
Anwendung und realistische Zeitleiste
Damit Myristoyl Pentapeptide-17 seine Wirkung entfalten kann, braucht es zwei Dinge: konsequente Anwendung und Geduld. Wimpern wachsen in einem definierten Zyklus aus Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase. Das bedeutet, dass neue Effekte erst sichtbar werden, wenn neu produzierte Härchen aus der Haut heraustreten.
- Wochen 1–2: Die Haut am Lidrand gewöhnt sich an die regelmäßige Anwendung. Sichtbare Veränderungen sind in dieser Phase noch nicht zu erwarten.
- Wochen 3–4: Erste Anwenderinnen berichten von dichteren Wimpernkränzen, weil weniger Härchen ausfallen und mehr in der Wachstumsphase verbleiben.
- Wochen 5–8: Das deutlichste Längen- und Volumenwachstum tritt häufig in diesem Zeitfenster ein. Im Spiegel zeigt sich das oft als „voller wirkender“ Wimpernkranz.
- Wochen 9–12: Maximaler Effekt. Wenn du das Serum jetzt absetzt, kehren die Wimpern langsam – über mehrere Monate – auf den Ausgangszustand zurück.
Trage das Serum einmal täglich am Abend auf den sauberen, trockenen Lidrand auf – wie einen feinen Eyeliner. Eine zweite Anwendung am Morgen verstärkt die Wirkung, ist aber kein Muss. Wichtig ist: nicht zu viel Produkt verwenden, denn weniger ist hier wirklich mehr.
Myristoyl Pentapeptide-17 in den Lash Seren von Tru Cosmetics
In unseren Lash Seren ist Myristoyl Pentapeptide-17 fester Bestandteil eines Peptid-Komplexes. Im Lash Serum Soft setzen wir ausschließlich auf hormonfreie Peptide – ideal für alle, die sich bewusst gegen Prostaglandine entscheiden. Im Lash Serum Strong kombinieren wir den Peptid-Komplex mit einer minimalen Prostaglandin-Konzentration für sichtbar schnellere Effekte, ohne mit der Brechstange zu arbeiten.
Häufige Fragen zu Myristoyl Pentapeptide-17
Ist Myristoyl Pentapeptide-17 hormonell wirksam?
Nein. Das Peptid wirkt über die direkte Stimulation der Keratin-Produktion in der Haarmatrix und greift nicht in die Hormonregulation ein. Aus diesem Grund ist es auch von der EU-Diskussion um Prostaglandin-Analoga nicht betroffen.
Kann ich das Serum bei Kontaktlinsen anwenden?
Ja, das ist in der Regel unproblematisch. Trage das Serum nach dem Abschminken auf, lass es einige Minuten einziehen und setze die Linsen morgens nach gründlicher Reinigung wieder ein. Bei sehr empfindlichen Augen empfiehlt sich vorab ein Verträglichkeitstest.
Was passiert, wenn ich das Serum absetze?
Die Wimpern kehren über zwei bis drei Zyklen langsam zum Ausgangszustand zurück. Anders als bei medikamentösen Wirkstoffen tritt kein abrupter Verlust auf – der Effekt verblasst über mehrere Wochen.
Eignet sich Myristoyl Pentapeptide-17 nach Wimpernextensions?
Ja. Gerade nach längerem Tragen von Extensions sind die Eigenwimpern häufig geschwächt. Ein Peptid-Serum kann hier helfen, die Keratin-Produktion zu unterstützen und die Wimpern wieder aufzubauen.
Wie lange muss ich das Serum verwenden?
Für sichtbare Ergebnisse mindestens acht bis zwölf Wochen. Wer den Effekt halten möchte, nutzt das Serum dauerhaft, kann aber nach einigen Monaten in eine Erhaltungsanwendung mit reduzierter Frequenz wechseln.
Quellenverzeichnis
- Schagen, S. K. (2017). Topical Peptide Treatments with Effective Anti-Aging Results. Cosmetics, 4(2), 16. Abgerufen auf mdpi.com
- Resende, D. I. S. P., Ferreira, M. S., Sousa-Lobo, J. M., Sousa, E. & Almeida, I. F. (2021). Usage of Synthetic Peptides in Cosmetics for Sensitive Skin. Pharmaceuticals, 14(8), 702. Abgerufen auf ncbi.nlm.nih.gov
- Errante, F., Ledwoń, P., Latajka, R., Rovero, P. & Papini, A. M. (2020). Cosmeceutical Peptides in the Framework of Sustainable Wellness Economy. Frontiers in Chemistry, 8, 572923. Abgerufen auf frontiersin.org
- European Commission, Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS). Opinions on prostaglandin analogues in cosmetic products. Abgerufen auf health.ec.europa.eu



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